„Für mich ist es wichtig, dass Menschen wagen, einander zu fragen. (…) Also ich habe schon Freunde verloren, weil wir einander nicht gefragt haben: Was passiert? Warum schweigst du? Oder warum warst du plötzlich verschwunden? Oder warum weinst du? (…) Ein Ich ohne Beziehungen ist fast kein Ich. Denn ich brauche ja dich, um zu erfahren, wer ich bin.“ (Ditte / aus: ICH)

JETZT / Über unsere Wahrnehmung von Zeit (2015 / 84 Min.)

Eine dreifache Mutter beschreibt eine Geburt; eine 75-jährige Frau wagt die ersten Schritte wieder mit neuer Hüfte. In Moabit wird jetzt ein Zeltlager für Flüchtlinge errichtet; vor dem Roten Rathaus fordern Menschen mehr staatliche Hife dafür. Ein Philosoph beschreibt die Wahrnehmung von Zeit bei den alten Griechen: Jetzt ist der Augenblick, jetzt ist Kairos. Jetzt blühen die Kirschbäume und jetzt fällt das Laub. Jetzt ist Zeit zum Handeln und jetzt ist Zeit zum Schauen

HIER / Über äußere und innere Verortungen (2017 / 87)

Auf dem Alexanderplatz stehen großflächige Fototafeln mit Aufnahmen von dem Platz aus dem Jahre 1945. Manche Leute bleiben stehen, andere haben keinen Blick dafür. Der Autor fragt jüngere und ältere Leute nach ihrer Geschichte. Eine ältere Dame schreibt Kindheitserinnerungen auf, eine andere erinnert sich an ihr Leben in der DDR,. Ein Altphilologe findet ein Hier bei Horaz, ein Literaturwissenschaftler bei Uwe Johnson. Aus persönlichen Erzählungen setzt sich im Verlauf des Films die größere Geschichte zusammen. Diese erzählt von Krieg, Vertreibung und Flucht genauso wie vom Ankommen im immer Neuen.

ICH / Über Beziehungen (2019 /88 Min.)

Eine Frau in Norditalien erinnert sich auf dem verlassenen Hof ihrer Kindheit an frühe Verluste und späte Versöhnungen. Ein Mann in seiner Wahlheimat Thüringen will seinen Vater endlich beim Vornamen ansprechen. Eine Frau in Kopenhagen denkt über ihre mentale Krankheit nach und wie sie ihr Leben verändert hat. Und ein Mann im Ruhestand in Berlin staunt jetzt im Alter darüber, wie wenig wir doch über uns selbst wissen. Es sind vier sehr verschiedene Erzählungen von Menschen unterschiedlicher Generation, Herkunft und Prägung. In der Verknüpfung des Verschiedenen findet eins im anderen Resonanz, bekommt das jeweils Eigene seine Kontur.

WIR / Über Gemeinschaft (2020 /93 Min.)

Der ehemalige Leiter der VHS-Kreuzberg / Friedrichshain erinnert sich an das Wir-Gefühl in Zeiten der Studentenbewegung und an den gemeinschaftlichen Neubeginn nach dem Mauerfall. Ein Aktivist öffnet die Türen zu solidarischen Wohn- und Arbeitsformen in Kreuzberg heute. Währenddessen startet eine neue Demo „Fridays for future“: Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut. Demm gegenüber stehen wiederum zwei Erzählungen, in denen das Wir als Bedrohung erlebt wird. Dieser Film fragt nach dem Für und Wider von Wir-Bewegungen und eröffnet davon ausgehend Denkräume im Persönlichen wie Gesellschaftlichen.

SIE / Über das Frausein (2021 / 86 Min.)

In der „Weiberwirtschaft“ sprechen eine Mode- und eine Schmuckdesignerin über ihre Freude am Handwerk und ihre Erfahrungen als Unternehmerinnen, während Ulla nebenan Frauen bei Firmengründungen berät (obwohl Ulla sich selbst nicht mehr als Frau sieht). Eine Frau türkischer Herkunft spricht über ihren Ausbruch aus tradierten Hierarchien. Und dann ist da noch die Tänzerin mit ihren sehr persönlichen Fragen zu ihrem Leben als Tochter und Mutter. Hier denken Frauen und Ulla über sich im Vergangenen wie im Gegenwärtigen nach, als Suchende und Werdende. Nichts erscheint dabei endgültig, alles will immer neu erforscht, erlebt, erfahren sein. Was Frausein letztlich bedeutet, zeigt sich in jedem Leben anders.

ES / Über das Erhabene (2022 / 83 Min.)

Der Autor reist mit seiner Familie ans Meer, er filmt seine Tochter am Strand. Im Hintergrund rollt Welle auf Welle an Land, dazwischen schieben sich Begegnungen mit Menschen, die für etwas brennen und die dabei immer auch ein Ganzes im Blick haben. Die Kulturwissenschaftlerin folgt ihrer Sehnsucht und die Malerin ersten Impulsen. Der Musiklehrer vertraut seiner Liebe und die Philosophin ihrer Intuition. Das Kind weiß von all dem nichts, es schaut und träumt und singt. Es lebt noch mehr im Es als im Bewusstsein vom Ich.